Dachstuhlbrand

Diesen außergewöhnlichen Einsatz, möchten wir mit einem ausführlicheren Bericht dokumentieren. Daher hat die Veröffentlichung auch etwas länger gedauert als sonst üblich.

Einsatzbericht zum Dachstuhlbrand Hauptstraße am 13.01.2021:

Am Samstag dem 13.Februar, um 22.14 Uhr wurde die Freiwilligen Feuerwehr Großbreitenbach zu einem gemeldeten Dachstuhlbrand in die Hauptstraße alarmiert. Bereits nach 3 Minuten rückte unser Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF) als erstes Fahrzeug aus und traf 22.20 Uhr an der Einsatzstelle ein. Die Ausrückestärke nach unserer Standardeinsatzregel von sieben Einsatzkräften (1:6) konnte problemlos gehalten werden. Nur kurze Zeit später trafen alle weiteren Fahrzeuge des Löschzuges an der Einsatzstelle ein. Die Drehleiter (DLK), das Tanklöschfahrzeug (TLF) und der Einsatzleitwagen (ELW), alle voll besetzt nach unserer Standardeinsatzregel. Der diensthabende Kreisbrandmeister (KBM) war mit dem Kommandowagen (KdoW) ebenfalls von Beginn an vor Ort.
Mit Eintreffen der ersten Einsatzkräfte wurde eine starke Rauchentwicklung aus den Dächern zweier Wohnhäuser festgestellt. Laut Aussage der Hausbewohner und gleichzeitig auch Anrufer, stammte der Rauch ursächlich aus dem Bereich der Dachgeschosswohnung des unteren Wohnhauses. Die Bewohner hatten bereits alle selbständig ihre Wohnungen verlassen können. Die Drehleiter wurde so positioniert, dass die Dachflächen beider Wohnhäuser erreicht werden konnten. Der Angriffstrupp des HLF wurde unverzüglich zur Erkundung und Brandbekämpfung mit Wärmebildkamera, Schlauchleitung und schwerem Atemschutz in den Dachbereich geschickt. Der zweite Trupp HLF stand als Sicherheitstrupp für Atemschutznotfälle in Bereitschaft. Der erste Trupp des Tanklöschfahrzeugs wurde zur Erkundung und Sicherung ins Dachgeschoss des Nachbarhauses geschickt. Bei beiden Häusern handelt es sich um dreigeschossige Mehrfamilienhäuser, die direkt aneinander gebaut sind. Da zwischen den Häusern baulich keine Brandwand vorhanden war, bestand eine der Hauptgefahren in der Brandausbreitung auf das Nachbarhaus. Parallel zu den eingeleiteten Erstmaßnahmen diente die Drehleiter der Erkundung des Daches von außen und als zweiter Rettungsweg für unsere, im Innenangriff eingesetzten Atemschutztrupps. Die erste Rückmeldung unseres Angriffstrupps ergab eine Verqualmung der Dachgeschosswohnung und enorme Hitze im Deckenbereich, aber noch keinen offensichtlichen Brandherd. Ein Zugang zum nicht ausgebauten Dachgiebel konnte in dieser Phase des Einsatzes nicht gefunden werden. Als Reaktion auf diese Lagemeldung, wurde sofort ein zweiter Atemschutztrupp zur Unterstützung in die Dachwohnung geschickt. Gemeinsam wurde die abgehangene Decke nun geöffnet, um an den Brandherd zu gelangen und einen Zugang zum Giebelbereich zu schaffen. Auf Grund der zu erwartenden zeitlichen Verzögerung wurde beschlossen, von außen über die Drehleiter Löschlanzen durch die Dachhaut zu schlagen. Diese sogenannten Fognails sind ca. 50 cm lang, innen hohl und über die Düsenspitze kann ein Wassernebel ins Innere abgegeben werden. Der Effekt ist die sofortige Abkühlung des Brandraumes und die Schaffung eines Zeitpolsters bis zum Beginn der Löscharbeiten im Inneren. Durch den Einheitsführer HLF wurde unterdessen die Gaszufuhr des betroffenen Wohnhauses abgeschiebert und die Stromversorgung unterbrochen.
Zur weiteren Unterstützung wurden die Feuerwehren Böhlen, Altenfeld und Neustadt durch die Einsatzleitung nachgefordert. Die Feuerwehren Böhlen und Altenfeld trafen mit jeweils einem normmäßig besetzten Löschfahrzeug (LF 8) und einem Mannschaftstransportwagen (MTW) ca. 15 Minuten nach Alarmierung an der Einsatzstelle ein. Die Feuerwehr Neustadt stellte nach der Alarmierung fest, dass ihre beiden Fahrzeuge nicht einsatzbereit waren und stand somit leider nicht an der Einsatzstelle zur Verfügung. Bereits frühzeitig wurde durch die Einsatzleitung beschlossen, zwei Einsatzabschnitte zu bilden. Erster Abschnitt "Brandbekämpfung" und zweiter Abschnitt "Atemschutz/ Nachschub". Die Wasserversorgung des HLF erfolgte über einen Hydranten unterhalb der Brandstelle. Eine zweite Löschwasserleitung wurde durch die Besatzung des LF 8 Altenfeld von der Zisterne Rathaus zum Tanklöschfahrzeug verlegt. Diese wurde jedoch wegen der extremen Außentemperaturen von minus 14°C trocken belassen. Auf den sonst üblichen Einsatzabschnitt "Wasserversorgung" konnte somit verzichtet werden. Durch die Atemschutztrupps wurde zudem äußerst sparsam mit Löschwasser umgegangen. Während des Setzens des ersten Fognails von außen in die Dachhaut, wurde erkannt, dass sich der Giebelbereich im Inneren bereits im Vollbrand befand. Ebenfalls zu diesem Zeitpunkt begannen erste Flammen im Bereich oberhalb der Dachgaube aus dem Dach zu schlagen. Diese wurden über das Strahlrohr der Drehleiter von außen niedergeschlagen. Die beiden Trupps im Innenangriff hatten sich in der Zwischenzeit einen Zugang zum Giebel geschaffen und konnten mit der Brandbekämpfung beginnen. Da der zur Unterstützung in die Dachwohnung beorderte, zweite Atemschutztrupp eine eigene Schlauchleitung vorgenommen hatte, konnte der Vollbrand des Dachgiebels nun mit zwei C-Rohren in wenigen Minuten, effektiv unter Kontrolle gebracht werden. Das Setzen weiterer Fognails von außen war somit nicht mehr nötig. Gegen 23.40 Uhr konnte durch die Einsatzleitung "Brand unter Kontrolle" gegeben werden.
Die Restlöscharbeiten und die aufwendige Suche nach Glutnestern zogen sich trotzdem noch über eine Stunde hin. Als Atemschutztrupps eingesetzt wurden ebenfalls Geräteträger der FF Böhlen und FF Altenfeld. Um 0.52 Uhr konnte dann endgültig "Feuer aus" gemeldet werden. Über den angeforderten Gerätewagen Atemschutz des Ilm-Kreises konnten die Einsatzfahrzeuge noch an der Einsatzstelle wieder mit frischer Atemschutztechnik bestückt und die Einsatzbereitschaft wieder hergestellt werden. Ein aufblasbares Schnelleinsatzzelt mit Zeltheizung wurde zum Aufwärmen und für die Verpflegung der Einsatzkräfte mit Tee und Kaffee aufgebaut.

Fazit:
Durch die sehr gute und fundierte Ausbildung unserer Atemschutzgeräteträger, Einsatzkräfte und Führungskräfte wurde erneut eindrucksvoll gezeigt wozu die Freiwilligen Feuerwehren der Landgemeinde Stadt Großbreitenbach in der Lage sind! Durch das perfekte Zusammenspiel zwischen einem zügig und aggressiv vorgetragenen Innenangriff und den Maßnahmen der Drehleiterbesatzung von außen, konnte ein offener Dachstuhlbrand und das daraus resultierende Übergreifen des Brandes auf das Nachbarhaus verhindert werden. Auch die Tatsache, dass die Hausbewohner ohne jede zeitliche Verzögerung bzw. eigene Löschversuche den Notruf 112 absetzten und alle geordnet das Wohnhaus verließen, ist ein Glücksumstand den es zu erwähnen gilt. Bei einem Brand im Dachbereich und bei dieser schwierigen Reihenbebauung, ohne baulichen Brandschutz, kommt es einmalmehr auf jede Sekunde an! Das die Löscharbeiten im Dachgiebel nicht ohne Wasserschaden möglich sind, sollte jedem Leser klar sein. Dennoch wurde während des gesamten Einsatzes sehr sparsam mit Löschwasser umgegangen. Dank gilt allen Einsatzkräften, erwähnt seien hier auch die rückwärtigen Dienste, die für Verpflegung sorgten. Der gesamte Einsatz konnte ohne Unfälle abgearbeitet werden. Bei einer Außentemperatur von -14°C ebenfalls besonders erwähnenswert. Besonderer Dank gilt den eingesetzten Atemschutztrupps und der Drehleiterbesatzung im Korb. Sie sind wahrhaftig über sich hinaus gewachsen und haben allen widrigen Umständen zum Trotz einen Einsatzerfolg ermöglicht, der, wie es die Zeitung ausdrückte "bilderbuchreif" war!

OBM Möhring